Bürgermeister Fischer erreichte einen einstimmigen Beschluss für die Schulentwicklung der Hauptschule und Realschule in Olsberg.
Nach 1 1/2 stündiger Debatte im Stadtrat zog die SPD ihren Antrag, auf Teilnahme am Schulversuch zur Errichtung einer Gemeinschaftsschule in Olsberg, zurück. Die Argumentation von der CDU Fraktion und Verwaltung, dass die Lehrer, Eltern und Bürgerschaft ausreichend einbezogen werden müssen, zeigte seine Wirkung. Schon seit einigen Jahren ist festzustellen, dass die Schülerzahlen in der Hauptschule Olsberg stark zurückgehen, was nicht nur auf den demographischen Wandel zurückzuführen ist. Für das laufende Schuljahr wurden nur noch 13 Kinder in das 5. Schuljahr der Hauptschule angemeldet. Neben der zurückgehenden Akzeptanz der Schulform Hauptschule in der Bevölkerung spielt auch das Angebot der Ganztagshauptschule in Siedlinghausen eine Rolle. In den letzten sieben Jahren sind die Schülerzahlen von 392 auf 193 (50% weniger) gesunken.
Die Stadt Olsberg als Schulträger hat in den vergangenen Jahren alle Voraussetzungen erfüllt, um einen attraktiven Standort zu bieten. Insgesamt hat die Stadt Olsberg über 9 Mio. EUR in die Gebäudesubstanz investiert. In mehreren Gesprächen mit der Verwaltungsführung, sowie der Schulaufsicht für den Hochsauerlandkreis wurden Möglichkeiten zur Aufwertung des Standortes aufgezeigt.
In einem Gespräch mit der Schulaufsichtsbehörde im Herbst wurde deutlich gemacht, dass die derzeitige Situation der Hauptschule zum einen sehr kritisch sei, zum anderen biete sie aber auch Chancen, die Schullandschaft in Olsberg grundlegend neu zu gestalten.
Die Möglichkeiten
1. Schließung der Hauptschule
2. Errichtung einer Verbundschule. In diesem Falle würden die Haupt- und Realschulzweige jeweils als eigenständige Schulform und getrennte Bildungsgänge erhalten bleiben.
3. Errichtung einer Gemeinschaftsschule mit gymnasialen Standards. In den Jahrgängen 5 und 6 würden alle Schüler gemeinsam lernen.
In weiteren Gesprächen mit dem Ministerium für Schule und Weiterbildung (MSW) wurde deutlich gemacht, dass es für die Stadt Olsberg nicht ratsam wäre, zum nächsten Schuljahr eine Gemeinschaftsschule zu errichten, da die Zeit für die notwendigen Vorbereitungen zu eng bemessen sei. Vielmehr müsse eine breite Meinungsbildung erfolgen, welchen Weg die Stadt Olsberg mit ihren Schulen gehen will. Neben der politischen Meinungsbildung müssen zwingend die Elternschaft, die Schulkonferenzen und die Kollegien befragt und eingebunden werden.
In weitern Gesprächen mit der Bezirksregierung könnte die Hauptschule Olsberg weitergeführt werden, wenn signalisiert wird, dass an beiden Schulen der Sekundarstufe I konzeptionell zusammengearbeitet wird. Grundlage für die Zusammenarbeit soll ein Kooperationsvertrag zwischen beiden Schulen sein, um die Zusammenarbeit zu stärken. Beide Schulleitungen befürworteten diese Vorgehensweise. Für das Schuljahr 2012/2013 muss kurzfristig eine Entscheidung der Schulform auf den Weg gebracht werden.
Die ganze Situation hat sich verschärft mit den Planungen in Brilon und Winterberg, an ihren Hauptschulen einen Realschulzweig anzugliedern. Leider ist festzustellen, dass die viel gepriesene interkommunale Zusammenarbeit oft nur Worthülsen sind.
Im Oktober beantragte die SPD Fraktion die Teilnahme am Schulversuch zur Errichtung einer Gemeinschaftsschule, um in Olsberg mit diesem Schulangebot ein Alleinstellungsmerkmal in der Region zu schaffen und en Schulstandort zu stärken.
Soweit der Sachverhalt, der in der Ratssitzung am 04.11.2010 vom Bürgermeister Wolfgang Fischer ausgeführt wurde.
Die CDU Fraktion sieht den dringenden Handlungsbedarf, trotzdem hält sie es für wichtiger, allen genügend Zeit zu lassen, um in einem Prozess mit Elternschaft und Lehrerkollegien zu treten, um die individuelle, beste Schullösung für Olsberg zu finden. Die CDU Fraktion will nicht über die Personenkreise hinweg bestimmen und für das Schuljahr 2011 eine Gemeinschaftsschule beschließen, wie es der Antrag der SPD vorsah. Die CDU Fraktion hat in der Ratssitzung zum Ausdruck gebracht, dass sie sich nicht gegen eine Gemeinschaftsschule verschließt und diese genauso prüft, wie die Verbundschule.
Durch die Kooperation der beiden Schulen ergibt sich die Möglichkeit, die Situation, die sich durch die Entscheidung zu Realschulzweigen der benachbarten Kommunen verschärft hat, intensiv und breit zu diskutieren. Anfang Dezember wird eine Veranstaltung vom CDU Stadtverband in Olsberg mit kompetenten Referenten angeboten, wo Eltern, Lehrerkollegien und Interessierte zu eingeladen werden.
Wir müssen in eine nicht ideologische Diskussion eintreten, wo wir alle gegebenen Möglichkeiten offen halten, um die beste Schulform ab 2012 für Olsberg zu finden.
Der Fraktionsvorsitzende Burkhard Stehling machte folgenden ergänzten Beschlussvorschlag:
Der Rat der Stadt Olsberg nimmt den Sachstandsbericht der Verwaltungsvorlage zur Kenntnis. Die Verwaltung wird beauftragt, die Kooperation zwischen der Hauptschule und Realschule Olsberg weiter zu vertiefen und ein Konzept zur Attraktivitätssteigerung der Schulen zu entwickeln. In der nächsten Fachausschusssitzung (voraussichtlich am 18.01.2011) soll über die weitere Entwicklung und (bisher “geplante“) Vorgehensweise berichtet werden.
Darüber hinaus beschließt der Rat der Stadt Olsberg den Antrag der SPD Fraktion auf Errichtung einer Gemeinschaftsschule für das Schuljahr 2011/2012 abzulehnen, weil in dem von der SPD Fraktion geforderten Zeitrahmen bis zum 31.12.2010 eine ernsthafte Beteiligung von Eltern, Lehrerkollegien und der Bürgerschaft nicht möglich ist. Der Fachausschuss und der Rat der Stadt Olsberg werden ergebnisoffen die Zukunftsfähigkeit des Schulstandortes sicher stellen.
Knut Finkel beantragte den Zusatz, "Zudem wird der Bedarf für eine Ganztagsbetreuung ermittelt".
Nach einer kurzen Beratungspause in der Ratssitzung zog die SPD ihren Antrag, auf Teilnahme am Schulversuch zur Errichtung einer Gemeinschaftsschule in Olsberg, zurück.
Bürgermeister Fischer formulierte den zweiten Teil des Beschlussvorschlages dahin gehend:
… Außerdem erfolgt eine Information über die Formen der Verbund- und der Gemeinschaftsschule. Zudem wird der Bedarf für eine Ganztagsbetreuung ermittelt. Die Verwaltung wird beauftragt, zu Beginn des Jahres 2011 die Voraussetzungen zu klären, um für das Schuljahr 2012/13 die Errichtung einer Verbund- oder Gemeinschaftsschule vorzubereiten.
Alle im Rat vertretenen Parteien folgten diesem Beschlussvorschlag.
Hier ist ein einstimmiger, guter Beschluss zum Wohle unserer Schüler/innen von allen Fraktionen gefunden worden.
Hiltrud Schmidt