Informative Veranstaltung zum Thema Windkraft
Hierzu konnte die Vorsitzende Jeannette Friedrich des CDU Ortsverband Bigge – Olsberg im Ratssaal fast 100 Gäste begrüßen. Interessiert nahmen die Zuhörer die Ausführungen der drei Referenten Hubertus Schulte Stadt Olsberg, Elmar Reuter Regionalrat und Thomas Hachmann, Fa. New Energy GmbH und Landesverband Windenergie, auf.
Seit 1997 beschäftigt sich die Stadt Olsberg mit dem Thema Windkraft und wies eine Vorrangfläche in Antfeld aus. Nach der Atomwende und verschiedenen Gesetzesänderungen in 2010 häuften sich Anfragen von Investoren und Grundstückseigentümer bei der Verwaltung.
Hubertus Schulte berichtete über neue Tabuflächenanalyse des Planungsbüros Wolter und Partner. Planungshoheit liegt bei den Kommunen, die der Windenergie substanziell Raum gegeben müssen. Die Gemeinde ist nicht verpflichtet, einen optimalen wirtschaftlichen Ertrag zu gewährleisten. Tabu Maßstäbe sind Abstandsflächen zu Siedlungsflächen, Außenbereichsnutzungen und Naturschutz.
Wir müssen in Olsberg über Wald, 66% der Fläche, nachdenken, so Hubertus Schulte, da landwirtschaftliche Flächen nicht viel gegeben sind. Mit einem sogenannten Waldfilter wurde überprüft, wo Flächen möglich sind. Dabei ist zu beachten, dass die Flächen mit Transporten erreicht werden müssen, die 52m starre Länge aufweisen.
Waldfilter sind Windhöffigkeit, Wälder mit besonderer Funktion (Wasserschutz), Raum für mind. 4 Anlagen der 3 MW Klasse, Erschließungsmöglichkeit und Landschaftsbild, als Ampel dargestellt.
Gebiete: nördlich Antfeld (grün) 6 Anlagen, Langenberg (rot), Heidkopf (gelb) 5 Anlagen, westlich Helmeringhausen / Wulmeringhausen (rot), nördlich Brunskappel /nordöstlich Elpe (grün) 8 Anlagen, Ochsenkreuz (gelb) 6 Anlagen, Sperrenberg (rot), Bestwig / Schmallenberg/ Winterberg mit interkommunaler Abstimmung.
Viele Bereiche sind fragwürdig und die Investoren müssen Untersuchungen beauftragen: Immissionsschutzgutachten, Artenschutzgutachten und Wirtschaftlichkeitsberechnungen.
Die Stadt Olsberg wird mit den Interessierten ab Februar Gespräche führen. Der neue Windenergieerlass sieht vorrangig den Austausch für höhere Windräder (Repowering) vor, Erschließungen von neuen Gebieten entlang von Autobahnen und Bahntrassen und neu, Wind im Wald, allerdings nur dann, wenn außerhalb substanziell kein Raum für Windenergienutzung geschaffen werden kann.
Elmar Reuter ist im Regionalrat der stellvertretende Vorsitzende der Energieplanung. Bereits 2009 hat der Regionalrat Arnsberg eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die die „Potentiale Erneuerbarer Energien im Regierungsbezirk Arnsberg“ ermitteln sollte. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, das in den relevanten Energiearten (Windenergie, Biomasse, Solarenergie, Wasserkraft und Geothermie) noch Ausbaupotentiale vorhanden sind. Der Regionalrat sieht die Aufgabenstellung nicht nur in der Energieerzeugung, sondern auch in der Energieeffizienz. Das Gutachten sieht für Südwestfalen 7oo Großanlagen vor. Wenn man diese in 10 Jahren errichten will, sind es jedes Jahr 70. Dieses sah Reuter leicht skeptisch.
Der Regionalrat beschäftigt sich auch mit den Fragen der möglichen Konflikte z. B. die Auswirkungen auf das Landschaftsbild / Tourismus, auch im Bezug auf den Ausbau der Netze. Hier könnte eine intelligente Netzstruktur hilfreich sein.
Ein weiteres Problem bleibt die Speicherung, denn so Reuter, die Sonne scheint nicht immer, und der Wind bläst nicht immer. Strom kann produziert werden, aber nicht gespeichert. Neue Pumpspeicherwerke fordern auch wieder Naturverzehr (der dritte Konflikt).
Eine große Rolle spielen muss vor allem die regionale Wertschöpfung vor Ort, auch für die Akzeptanz. Der Regionalrat empfiehlt den Kommunen, das Thema regional zu bearbeiten.
Der Regionalrat sieht folgende Rangfolge: erst Repowering, dann Standorte, die schon feststehen und anschließend konfliktfreie neue Standorte. Wichtig sei auch einen wirtschaftlichen Standort zu nehmen, da der Strompreis weiterhin günstig sein soll und die Versorgungssicherheit gewährleistet sein muss.
Die Sicht des Betreibers brachte Thomas Hachmann den Zuhörern näher. Im Landesverband Windenergie ist er Vorsitzender von Süd Westfalen mit 700 Mitgliedern.
Der Verband errichtete Windenergieanlagen in der Partnerstadt Jöhstadt, Madfeld, Engelsberg /Olpe und im Wald in Bleiwäsche. Herr Hachmann führte aus, dass Privatleute die Energiewende gestaltet haben mit ihrem privaten Geld.
Er berichtete über die 20 jährige Entwicklung der Windanlagen. Ab 2000 gibt es die 3 Megawattanlagen und ab 2008 die 6 MW Anlagen, die aber nicht überall möglich sind. Vor 18 Jahren, in Jöhstadt waren die Anlagen 42 m hoch, durchschnittlich 40 m breit und mit 810.000 Kilowattstunden / Jahr. Die neueren Anlagen in Bleiwäsche sind 98 m, durchschnittlich 82m und produzieren 4,5 Mio. Kilowattstunden. Thomas Hachmann fehlt die Diskussion, wie viel Strom brauchen wir aus Windenergie. In Olsberg schätzt er würden bis zu 20 Großanlagen für den Stromverbrauch reichen.
Er sieht für Windenergie im Wald auch Vorteile, da die Waldflächen siedlungsfern sind und auch oft windhöffig. Der Wanderer sieht die Anlage im Wald erst kurz bevor er vor ihr steht, somit ist sie für diesen nicht störend. Er schlägt dem Rat und der Verwaltung vor, dieses Thema offen in u. B. Schützenhallen zu diskutieren, damit die Bevölkerung mitgenommen wird.
Zum Schluss wies Hachmann darauf hin, dass die technische Entwicklung immer weiter fortschreitet. Das Problem der großen Flügellänge würde sicherlich bald mit der Teilung der Flügel gelöst.
Bürgermeister Fischer führte aus, dass Tourismus und Windkraft sich nicht ausschließen. Hierfür gäbe es schon gute Beispiele. Er hält einen richtigen Energiemix für wichtig. Die Bürgermeister im Hochsauerland haben sich in diesen Bereichen bereits auf eine Zusammenarbeit verständigt. Wichtig ist ihm, die Bürgerschaft mitzunehmen, ggf. auch mit möglichen Beteiligungen. Eine Realisierbarkeit sieht er in 3 bis 5 Jahren, damit auch die Planungssicherheit gegeben ist.
Herr Schulte führte zum Schluss aus, dass die Potenzialanalyse nicht statisch sei, und der Entwicklung angepasst würde. Wichtig sei auch ihm der Konsens vor Ort und dass die Wertschöpfung vor Ort bleibt. Die sogenannten „Heuschrecken“ können wir hier nicht gebrauchen.