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(28.06.2010) Hiltrud Schmidt, aus dem Kreistag
Bildungsregion Hochsauerlandkreis
Der Hochsauerlandkreis hat sich mit dem im April 2006 vom Kreistag beschlossenen "Wirtschaftspolitischen Programm" eine Grundlage und Perspektive für die Entwicklung der nächsten Jahre gegeben. Das regional erarbeitete und abgestimmte Programm soll für die strategische Ausrichtung des Hochsauerlandkreises maßgeblich sein.
Als politischen Aufgabenschwerpunkt definiert das "Wirtschaftpolitische Programm" die "Regionale Bildungsoffensive". Bildung ist Voraussetzung für die individuelle gesellschaftliche Teilhabe und die persönliche
Zufriedenheit. Bildungserfolg ist die entscheidende Determinante für beruflichen Erfolg und Status, Zugang zu Finanzmitteln, Investitionen, Institutionen und Personen.
Ziele der kreisweiten Bildungsoffensive:
-Schaffung durchgängig optimaler Bildungsvoraussetzungen für jede Bevölkerungsgruppe,
um die Herausforderungen des gesellschaftlichen und technologischen Wandels bewältigen zu können
-Antwort auf die sozialpolitischen, wirtschaftlichen und kulturellen Herausforderungen im internationalen Wettbewerb der Standorte
-Förderung qualifizierten Nachwuchses für die heimischen Unternehmen
-rechtzeitige Schaffung von Strukturen der kommunalen Bildungsverantwortung und
-Nutzung der demografischen Rendite
Die Gründe für eine stärkere Rolle des Kreises im Bildungsbereich sind:
1. Der demografische Wandel -sichtbar am bereits durchlebten und prognostizierten Rückgang der Schülerzahlen und der Anzahl der Schulen- und die gesteigerten Anforderungen auf den globalen Märkten haben u. a. zur Folge, dass die heimischen Unternehmen Schwierigkeiten haben, qualifizierte Facharbeitskräfte zu finden und fordernandererseits die Schulpolitik auf staatlicher und kommunaler Ebene zu innovativen
Lösungen heraus. Er setzt zudem Ressourcen frei, die für Bildung genutzt werden können (verbesserte Lehrer-Schüler Relation, bessere Lernumgebung für den Ganztag).
2. Im Wettbewerb der Regionen und im "Kampf um Köpfe" spielen weiche Standortfaktoren,
wie z. B. optimale Betreuungs- und Bildungseinrichtungen eine entscheidende Rolle. Der ländliche Raum ist besonders herausgefordert, seine Rahmenbedingungen
attraktiv zu gestalten (Betreuungsquote für Kinder von 0 bis 6 Jahren, Versorgung mit schulischen Ganztagsangeboten).
3. Migranten, aber auch Schüler aus sozial benachteiligten Familien können oftmals aufgrund von multidimensionalen Benachteiligungen und Defiziten ihre Potentiale nicht
vollständig einsetzen. Ihre Talente, auf die die Gesellschaft angewiesen ist, gehen verloren (Anzahl Schüler ohne Abschluss, Anteil der Ausländer und Aussiedler an den Schülern ohne Abschluss, Anzahl Förderschüler, Ergebnisse Sprachuntersuchung).
4. Die Anforderungen durch technologische Innovationen, höheres Arbeitstempo und Modernisierungen an die Qualifikation der Arbeitnehmer steigen täglich. Hohe Quoten von Schülern, die die Schule mit Studiererlaubnis verlassen (Fachhochschulreife und Abitur) sind daher wichtig. Um den Wert ihrer Arbeit dauerhaft zu stärken, müssen qualifizierte berufliche Weiterbildungen angeboten werden.
5. Im Rahmen der staatlich-kommunalen Verantwortungsgemeinschaft ist die Rolle der
Kommunen in der Bildung über die des Schulträgers hinausgewachsen und muss gefüllt werden. Insbesondere wollen Kommunen die Synergien nutzen, die aus einer
besseren Vernetzung kommunaler Bildungsinstitutionen und -akteure wie der Musikschule, den Volkshochschulen, Bibliotheken und Weiterbildungseinrichtungen entstehen
können. Informelle, non-formale und formale Bildungsprozesse sollen besser verzahntwerden.
Mitglied des Kreistages
Der ausführliche Bildungsbericht orientiert sich in seiner Gliederung an den Bildungsberichten des Landes und des Bundes. Einige wesentliche Aussagen zu:
Kindertagesbetreuung
Die Zuständigkeit für die Kinderbetreuung liegt beim Kreisjugendamt und den örtlichen Jugendämtern in Arnsberg, Schmallenberg und Sundern. Im HSK lebten im April 2010 13.660 Kinder unter sechs Jahren, 6384 davon unter drei Jahren. Ein hoher Rückgang der Geburtenraten ist festzustellen, 1998 wurden noch 3.105 Kinder geboren, 2008 nur noch 2.114.
Die Anzahl der Kindergartenplätze ist weitgehend konstant (161 Kindergarteneinrichtungen), die Plätze der unter Dreijährigen steigen hingegen. War in 2007 für U 3jährige eine Betreuungsquote von 5,7%, so wird sie im neuen Kindergartenjahr bei fast 20% auf HSK Ebene liegen. Für 2013 soll bundesweit für 35% aller Kinder unter 3 Jahren ein Angebot vorhanden sein.
Im Zuständigkeitsbereich des Jugendamtes des HSK wird das Ganztagsangebot (45 Stunden-Betreuung) zu einem guten Viertel genutzt.
Übergang zur Grundschule:
Das neue KIBIZ (Kinderbildungsgesetz) verpflichtet die Kindergärten zu einer besseren Zusammenarbeit mit der Grundschule. Seit 2006 wird in NRW zur Abschätzung von Angeboten zur Sprachförderung eine Sprachstandserhebung bei 4-jährigen durchgeführt. Etwa ein Fünftel der Kinder zeigt nach diesen Erhebungen deutliche Defizite.
Grundschulen
Die 69 Grundschulen im HSK beschulten 2008 11.475 Schüler, mit einer durchschnittlichen Klassengröße von 22,3. Die sichere Zukunftsperspektive bis 2015 weist im HSK etwa ein Viertel (24,3%) weniger Primarstufenschüler auf. In Olsberg wird bis 2030 ein Rückgang im Alter von 6 bis 10 Jahren von 38% und von 10 bis 19 Jahren von 44 % prognostisiert.
34 Grundschulen haben als „Offenen Ganztagsschulen“ ein ganztägiges Angebot.
Sonderpädagogischer Förderbedarf
Im Gegensatz zu der Schülerzahl an anderen Schulformen und entgegen der Schülerentwicklung im HSK insgesamt, ist die Anzahl kontinuierlich gestiegen.
Förderschwerpunkte sind: emotionale und soziale Entwicklung, geistige Entwicklung, Hören und Kommunikation, körperliche und motorische Entwicklung, Lernen (L), Sehen und Sprache (SQ).
Über den sonderpädagogischen Förderbedarf und den Förderort entscheidet die Schulaufsicht.
Übergänge von der Grundschule in die Sekundarstufe I:
Insgesamt sinken die Schülerzahlen im HSK in der Grundschule vom Schuljahr 2000/2001 (3.289) auf nur noch 2.841 im Schuljahr 2009/2010. In absoluten Zahlen ist die Schülerzahl, die ans Gymnasium wechselt, fast noch so hoch wie zur Jahrtausendwende, die Realschulen haben gegenüber damals 95 Schülen (-8%) verloren; die Hauptschulen verloren 334 Schüler, fast ein Drittel ihrer Schülerschaft (32%).
Schulstandorte und demographische Entwicklung der Altersgruppen 10 – 19 Jahre (2008 – 2030)
Die 43 weiterführenden allgemeinbildenden Schulen im HSK haben knapp 23.000 Schüler. Insgesamt sinken die Schülerzahlen von etwa 34.000 (2008) auf 25.541 (2018)Schüler. Im Gegensatz dazu steigen sie in der Sekundarstufe II zunächst an und sinken erst ab 2011.
Berufskollegs
Im HSK gibt es neun Berufskollegs mit insgesamt 11.839 Schülern (15.10.2008). Alle, außer zwei Berufskollegs (privater Trägerschaft) sind in der Trägerschaft des HSK.
Ausbildungsgänge:
- im dualen System (Fachklassen der „Berufschule)
- in der schulischen Ausbildung der Berufschule („Übergangssystem)
- in der Berufsfachschule und Höheren Berufsfachschule(Assistenten)
- im beruflichen Gymnasium
- in der Fachschule (Weiterbildung und Fachhochschulreife)
Die Anzahl der Schüler im Dualen System ist bis 2005 kontinuierlich gesunken, aber die Schülerzahlen in vollzeitschulischen Bildungsgängen stiegen von 2000 bis 2008 um rund 40%. Dies legt die Vermutung nahe, dass eine immer größere Zahl von Jugendlichen die schulische Ausbildung und das Übergangssystem als Alternative zur Berufsausbildung begreift. Für viele Schüler ist dies aber gleichbedeutend mit einer Warteschleife auf einen Ausbildungsplatz. Die Schülerzahlen in den Berufsgrundschuljahren / Vorklassen an den Berufskollegs des HSK haben sich seit 2000 verdoppelt. Die Vermutung, das diese Zahlen auch eine versteckte Jugendarbeitslosigkeit beinhalten, liegt nahe.
Analog zu anderen Regionen steigt im HSK die Zahl der Nicht- lehrenden Personen, die an Schulen arbeiten. Zum einen sind dieses Schulsozialarbeiter, zum anderen Berufseinstiegsbegleiter.
Jugendarbeitslosigkeit /Ausbildung
Die Jugendarbeitslosigkeit lag 2008, vor der Finanzkrise, im Hochsauerlandkreis bei 4,9 %, deutlich unter dem Landes und Bundesdurchschnitt. 2009 stieg die Quote jedoch um 1,6 Prozentpunkte.
Im Ausbildungsjahr 2008/2009 wurden 2088 Ausbildungsverträge abgeschlossen, ca. 160 weniger wie im Ausbildungsjahr davor.
Die Industrie- und Handelskammer Hellweg Sauerland meldet für 2009 für den HSK und für die von ihr verwalteten Ausbildungsberufe eine Abbruchquote von sieben Prozent. Die Handwerkskammer Südwestfalen weist für den HSK eine deutlich sinkende Anzahl an Auszubildenden und eine schwankende Zahl an Abbrüchen aus. Für das Jahr 2009 waren es 8% Abbrüche.
Studium
An der Fachhochschule Südwestfalen, Abteilung Meschede studierten im Wintersemester 2009/2010 insgesamt 2.349 Leute im Fachbereich Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften, davon 645 Erstsemester.
Es ist das erklärte Ziel der Bildungsregion HSK, die Bildungsakteure auf Kreisebene noch besser miteinander zu verzahnen, um das Bildungsangebot qualitativ zu verbessern, den Zugang zu Bildungsprodukten so leicht wie möglich zu machen und alle Menschen vor Ort und unabhängig von ihrem Alter, umfassend und optimal zu bedienen. Augrund dieser Daten ist ein Strategiekonzept erarbeitet worden, welches kurzfristig folgt …